Die Schweiz als Wohlstandsgesellschaft

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Nach dem 2. Weltkrieg schritten technischer Fortschritt und Wirtschaftswachstum rasant voran und brachten materiellen Wohlstand. Der Schweiz gelang es dabei, sich als bedeutender Mitspieler auf den Weltmärkten zu etablieren.

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Wirtschaftlicher Aufschwung

Vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit war die unzerstörte Schweiz wirtschaftlich ein wichtiger Faktor in Mitteleuropa. Wirtschaftlich erlebte die Schweiz nach 1945 eine noch nie gesehene Hochkonjunktur, die bis in die 1970er Jahre anhielt. In dieser Zeit wurden die Exporte nahezu verzehnfacht. Bei stetig steigender Bevölkerung veränderte sich das Gesicht der Schweiz durch starke Bautätigkeit und Mobilitätssteigerung der Bevölkerung. Besonders das Mittelland zwischen Genf und Lausanne und zwischen Bern und Zürich sowie St. Gallen verlor durch die Zersiedelung der Landschaft ihren ländlichen Charakter. Der wachsende Energiebedarf wurde durch den Bau von fünf Atomkraftwerken und den Ausbau der Wasserkraftgewinnung befriedigt. Die wirtschaftliche Entwicklung, besonders im Dienstleistungssektor, führte zu einer starken Steigerung der privaten Einkommen und des allgemeinen Wohlstands.
Ab 1950 wanderten viele ausländische Arbeitskräfte – zunächst vor allem aus Italien - in die Schweiz. Mit der Rezession in den 1970-er Jahren ging der Zustrom ausländischer Arbeitskräfte zurück, in den 1980-er Jahren nahm er wieder zu.


Der Ausbau des Wohlfahrtsstaates (1947 Einführung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), 1959 Invalidenversicherung (IV)) und die Reduktion der Arbeitszeiten bei gleichzeitigem starken wirtschaftlichen Wachstum beschied der Schweiz bis in die 1990er Jahre sozialen Frieden.

Die Aussenpolitik

Wie bereits vor und während dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schweizer Aussenpolitik auch nach dem Krieg vom Prinzip der Neutralität geprägt. Eine gewisse Öffnung war jedoch spürbar: so trat die Schweiz einigen internationalen Vereinigungen bei, sofern diese ihre Neutralität nicht gefährdeten: die Schweiz war an der Gründung der EFTA (Europäische FreihandelS-Assoziation) beteiligt, die 1960 ins Leben gerufen wurde. Weiter trat die Schweiz 1963 als Vollmitglied dem Europarat bei. Seit 1996 ist die Schweiz ausserdem Mitglied der NATO-Vereinigung "Partnerschaft für den Frieden", die nach dem Fall des Kommunismus ins Leben gerufen worden ist.


Obwohl die Schweiz schon längere Zeit vielen Unterorganisationen der Vereinten Nationen (UNO) angehörte und der europäische Hauptsitz der UNO in Genf liegt, trat die Schweiz erst im Jahr 2002 als Vollmitglied der UNO bei.


Bis heute ist die Schweiz jedoch nicht Mitglied der Europäischen Union (EU). Die Beziehung zwischen der Schweiz und der EU wird über bilaterale Verträge gesteuert.

Frauenbewegung

Die Situation der Frauen verbesserte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts allmählich, was die Rechte der Frauen betraf hinkte die Schweiz jedoch anderen westlichen Ländern hinterher.


Die Frauen erhielten erst 1971 das Stimm- und Wahlrecht auf nationaler Ebene zugestanden – so spät wie in keinem anderen europäischen Land (abgesehen von Liechtenstein). Relativierend muss hier noch erwähnt werden, dass in den anderen Ländern die Einführung des Frauenstimmrechts nicht an der Urne entschieden wurde.


Auch die nationale Regelung einer Entschädigung während des Mutterschaftsurlaubs liess lange auf sich warten. Zwar wurde bereits 1945 ein entsprechender Artikel in der Verfassung verankert, ein entsprechendes Gesetz jedoch erst im Jahre 2004 von einer Mehrheit der Stimmenden angenommen. Zuvor waren verschiedene Vorlagen, welche die gesamtschweizerische Einführung einer Mutterschaftsversicherung vorschlugen, an der Urne gescheitert.
In der Praxis erhielten zwar bereits vorher viele arbeitstätige Mütter während des Mutterschaftsurlaubs von ihren Arbeitgeber/-innen während einer gewissen Zeit einen Teil des Lohns ausbezahlt, dazu verpflichtet war jedoch niemand.


Da der Kanton Genf nicht mehr auf eine nationale Regelung warten mochte, führte er – als einziger Kanton – 2001 eine Mutterschaftsversicherung ein.


Seit dem 1. Juli 2005 erhalten nun erwerbstätige Mütter in der ganzen Schweiz während 14 Wochen nach der Geburt ihres Kindes 80% ihres Lohns ausbezahlt. Nicht erwerbstätige Mütter gehen jedoch nach wie vor leer aus.

Die Jura-Frage

Die Schweiz erhielt 1979 einen neuen Kanton - den Jura – und dies, ohne dass sich die äusseren Grenzen verändert hätten.


Dies war das Resultat eines 30-jährigen Kampfes von Separatisten im französischsprachigen Teil des Kantons Bern. Die Bevölkerung dieses Teils im Norden des Kantons Bern ist – im Gegensatz zum Grossteil der deutschsprachigen Bevölkerung des Kantons - streng (römisch) katholisch und fühlte sich sowohl auf sprachlicher als auch auf religiöser Ebene diskriminiert.


Gegen eine Trennung des Nord- vom Südjura gab es lange Zeit nicht nur Opposition seitens der Berner Regierung, sondern auch innerhalb des Nordjuras. Sowohl die protestantische als auch die deutschsprachige Minderheit des Nordjuras waren der Ansicht, der Kanton Bern vertrete ihre Interessen besser.


Nach einem jahrelangen Kampf wurde 1978 an einer Volksabstimmung die Schaffung des Kantons Jura (aus drei der sieben jurassischen Bezirken) entschieden.

Jugendunruhen der 1980er Jahre

Im Frühling 1980 kam es in der Schweiz - fast gleichzeitig wie in den Niederlanden und in Deutschland - nach den weltweiten Protestbewegungen Ende der 1960er Jahre erneut zu Jugendunruhen.


Im Mai 1980 organisierte die Aktionsgruppe Rote Fabrik in Zürich eine Demonstration gegen den vom Stadtparlament beschlossenen Kredit zum Umbau des Opernhauses ("gegen eine einseitige bürgerliche Kulturpolitik"). Als die Polizei auftauchte, schlug der verbale Protest in rohe Gewalt um. Die Zürcher Protestbewegung kämpfte während fast zwei Jahren, teilweise unterstützt von linken Parteien, Intellektuellen und Künstlern, für selbstbestimmte Freiräume ausserhalb der staatlichen Strukturen.


Die Zürcher "Bewegung" forderte ein Autonomes Jugendzentrum (AJZ) und fand Nachahmer in anderen Schweizer Städten. Auch in Lausanne, Basel, Bern, St. Gallen, Winterthur und Luzern kam es bis Ende der 1980er Jahre immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Behörden, Polizei und Demonstranten.


Von der 1980er Bewegung gingen zahlreiche Impulse aus; sie sensibilisierte die Gesellschaft für Anliegen der Jugendlichen und förderte den Aufbau von unabhängigen Medien- und Kulturprojekten. Die Alternativkultur ist inzwischen offiziell anerkannt und lebendig, neue Lebens- und Wohnformen werden weitgehend akzeptiert.

Veränderungen der Parteienlandschaft

Als in den 1930er Jahren radikale Parteien das demokratische System zu bedrohen begannen, rauften sich die demokratisch gesinnten Parteien zusammen. Anstatt der Konfrontation suchten sie nun den Dialog, um die Demokratie zu retten. Die äussere Bedrohung ebnete auch den Weg zur Verständigung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. 1937 wurde der Klassenkampf in einem Friedensabkommen zur Sozialpartnerschaft.
Die Sozialdemokraten näherten sich der politischen Mitte an und vollzogen beispielsweise in der Landesverteidigung eine Kehrtwende. Im Gegenzug akzeptierte der Bürgerblock die Sozialdemokraten als legitime linke Oppositionspartei. Die erfolgreiche Volksabstimmung über die Bundesfinanzreform von 1938 bewies erstmals die Handlungsfähigkeit einer breiten Koalition von Parteien und Verbänden.
1943 wurde mit Ernst Nobs der erste Sozialdemokrat in den Bundesrat gewählt. Seit 1959 werden die Sitze im Bundesrat gemäss "Zauberformel" verteilt: Je zwei Vertreter/-innen der Sozialdemokratischen Partei (SP), der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP) und der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP), ein Sitz für die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB, heute Schweizerische Volkspartei SVP).

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