Die Zwischenkriegszeit in der Schweiz

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war geprägt von Wiederaufbau, kurzzeitigem Aufschwung und politischen Veränderungen – aber auch von Wirtschaftskrisen und dem Aufkommen des Faschismus in Europa.

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Politische Veränderungen

Eine Volksinitiative forderte 1918 erfolgreich die Einführung des Proporzsystems, weshalb die Freisinnig Demokratische Partei bei den Wahlen im Jahr 1919 fast die Hälfte ihrer Sitze im Parlament an andere Parteien verlor.


Am meisten profitierten die Sozialdemokraten sowie die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB). Trotz dieses Erfolgs der Sozialdemokraten zeichnete sich bald einmal die Dominanz des so genannt bürgerlichen Blocks (FDP, Konservative und BGB) in der Schweizer Politik ab.
Die Sozialdemokratische Partei machte in der Folge mit Hilfe des Initiativ- und Referendumsrechts immer wieder auf die Interessen der Arbeiterklasse aufmerksam und entwickelte sich allmählich von einer Partei, welche die Konfrontation suchte, zu einer Reformpartei.


Ihr Versuch, 1929 einen Sitz im Bundesrat zu erlangen, scheiterte jedoch am Widerstand der Konservativen.

Die Wirtschaft in der Zwischenkriegszeit

In den USA wurde die Industrieproduktion zunächst durch Massengüterproduktion (Einführung des Fliessbandes) von 1921 bis 1929 verdoppelt. Der Wohlstand spiegelte sich auch in einer blühenden Unterhaltungsindustrie ("Roaring Twenties"). Am 29. Oktober 1929 ("Schwarzer Freitag") platzte die "Blase", die Börsenkurse in New York brachen um bis zu 90% ein. Eine Wirtschaftkrise folgte, in den USA stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 15 Millionen. Durch den Abzug amerikanischer Kredite brach der internationale Zahlungsverkehr in Europa und damit der Handel zusammen.
In der Schweiz litten vor allem die Landwirtschaft (Einbruch des Milchpreises zwischen 1929 und 1935 um 22%, des Schlachtviehpreises gar um 38%) und die exportorientierten Branchen (Rückgang der Exporte in der Uhrenindustrie und Maschinenindustrie je 59%, in der Seidenindustrie gar 84%). Die Arbeitslosigkeit stieg bis Anfang 1936 auf 124'008 Stellensuchende an. Die noch beschäftigten Arbeitnehmer mussten Lohneinbussen bis zu 10% in Kauf nehmen. Im Vergleich mit den USA oder gar mit Deutschland waren diese Auswirkungen aber immer noch erträglich.


Die allgemeine wirtschaftliche Tendenz entwickelte sich nun in Richtung Dienstleistungssektor, nachdem zuerst die Landwirtschaft an Bedeutung verloren hatte und nun auch der produktive Sektor (Industrie) stagnierte.

Aussenpolitik der Zwischenkriegszeit

Um weitere globale Konflikte zu vermeiden, gründete die internationale Gemeinschaft 1920 den Völkerbund mit Hauptsitz in Genf. In einer Volksabstimmung entschied sich eine hauchdünne Mehrheit der Schweizer Bürger für einen Beitritt zu diesem Bündnis.


In der Zwischenkriegszeit kämpften zwei ideologische Bewegungen - der Kommunismus und der Faschismus - um möglichst viel Einfluss. Den Kommunismus beurteilten die Regierung und ein Grossteil der Bevölkerung kritischer als den Faschismus.


Die Schweizer Aussenpolitik hatte in den 30-er Jahren die Tendenz, die Gefahr des Faschismus zu ignorieren. So verzichtete die Schweiz 1935 auf eine Verurteilung des italienischen Einmarsches in Abessinien (heute: Äthiopien) oder auf die Verhängung der Sanktionen, die vom Völkerbund verlangt wurden, nachdem Hitler 1938 Österreich annektiert hatte.


Gleichzeitig lehnte es die Schweiz ab, die kommunistische UdSSR anzuerkennen.

Die Schweiz und der Faschismus

Die erste faschistische Regierung kam 1922 in Italien an die Macht. Wie in den meisten europäischen Ländern bildeten sich in den 1930-er Jahren auch in den Schweizer Kantonen rechtsgerichtete "Fronten". Diese Fronten wurden von Angehörigen der selbstständig erwerbenden Mittelschicht und von Bauern unterstützt. Die Anführer waren meist junge Intellektuelle.
Die Ideologie der Fronten basierte auf den folgenden Punkten:


Autokratie: Die Frontisten bevorzugten eine autokratische Regierung, welche die parlamentarische Demokratie abschaffen würde.


Korporativismus: Der Kapitalismus sollte durch Korporativismus abgelöst werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten in Korporationen zusammen arbeiten und so ihre Konflikte lösen.


Nationalismus: Die Frontisten waren höchst nationalistisch eingestellt und lehnten alles "Internationale" (wie Kommunismus, Freimaurertum, Pazifismus, Judentum etc.) ab.
Anfänglich sahen einige konservative Parteien in den Frontisten Verbündete in ihrem Kampf gegen den Sozialismus. Die Frontisten konnten jedoch nie auf breite Unterstützung in der Bevölkerung zählen, da sie mit ihrer unzimperlichen Taktik viele Menschen befremdeten.
Eine Initiative der Frontisten, die mittels Verfassungsänderung ihr politisches Programm durchsetzen wollte, wurde 1935 von mehr als 70% der Stimmbürger abgelehnt.


Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatten sich verschiedene Meinungsgruppen gebildet. Einige sympathisierten mit der neuen Ordnung der Nationalsozialisten, wobei es in dieser Gruppe zwei Lager gab: während einige dem Deutschen Reich beitreten wollten, tendierten andere eher Richtung Zusammenarbeit mit einem allenfalls siegreichen Deutschland.
Andere Gruppierungen befürworteten den Widerstand gegen totalitäre Regimes und die Verteidigung demokratischer Rechte.

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