Auseinandersetzungen und Religionskriege

Wie überall in Europa löste die Reformation in der Schweiz Religionskriege aus. Sie führte vielerorts aber auch zu Erneuerungen innerhalb der katholischen Kirche und ihrer Gebiete.

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Eroberung des Waadtlands

Als erster Kanton bekannte sich Zürich 1525 offiziell zur Reformation. Zwingli gelang es, die Bevölkerung der meisten wirtschaftlich entwickelten Städte der Deutschschweiz zu überzeugen. Abgesehen von Solothurn und Freiburg konvertierten alle Städte zum Protestantismus.


Wenig erfolgreich war Zwingli jedoch in den ländlichen Gebieten der Zentralschweiz. Die – im allgemeinen weniger gebildeten – Menschen liessen sich nicht nur kaum von seinen Argumenten überzeugen, sie misstrauten grundsätzlich allem, was aus dem ihrer Meinung nach zu mächtigen Zürich kam.


Die Kantone konnten sich auf keinen Kompromiss einigen. Auf der einen Seite schlossen sich die Reformierten zu einem Bündnis zusammen, auf der anderen bildeten die Katholiken eine Allianz mit dem österreichischen Herzog Ferdinand.
Zwingli wollte den Protestantismus unbedingt auf die ganze Eidgenossenschaft ausdehnen, die anderen protestantischen Kantone waren jedoch gegen einen Krieg gegen die Katholiken. 1529 lehnten sie einen entsprechenden Antrag Zwinglis ab. 1531 kam es dann doch zu einem Krieg (zweiter Kappelerkrieg), bei dem Zwingli getötet wurde.


Im anschliessenden Friedensvertrag wurde das Bündnis der Reformierten aufgelöst und die Konfliktparteien einigten sich darauf, künftig die Religionswahl der anderen zu respektieren.


Der Beginn der Reformation fiel mit Berns Expansion Richtung Westen zusammen. Bern profitierte von der Schwäche der Savoyer, die über einen Teil des Waadtlands regierten.
Die Bürger von Genf waren zu der Zeit in einen Streit mit ihrem Bischof, der von den Savoyern unterstützt wurde, verwickelt. Bern und Genf teilten also ihre savoyerfeindliche Haltung und schlossen 1526 eine Allianz.


Als die Berner befürchteten, die geschwächten Savoyer könnten von den Franzosen übernommen werden, schritten sie 1536 zur Tat und eroberten die Waadt, das Chablais und das Pays de Gex (letztere gehören heute zu Frankreich). Weiter marschierten die Berner – unterstützt von Freiburg und Wallis - in Genf ein.
Genf durfte seine Unabhängigkeit behalten, Lausanne und die Waadt als Ganzes, die bisher durch eine ähnliche Allianz wie Genf mit Bern verbunden waren, wurden einverleibt.


Nach der Eroberung der Waadt führte Bern umgehend die reformierte Religion ein. Sowohl Lausanne als auch Genf wurden zu französischsprachigen Zentren des Protestantismus. Die Berner Eroberung der Waadt im Jahr 1536 schlug eine Brücke zum savoyischen, nach Autonomie strebenden Genf. Doch erst die Hinwendung von Heinrich Bullinger, dem Nachfolger des gefallenen Zwingli, zum theologischen Gegenspieler Calvin schaffte im Krisenjahr 1548 die langfristige geistige Voraussetzung für die spätere Integration von Genf in die Eidgenossenschaft.

Rekatholisierung und Gegenreformation

Obwohl sich die Reformation in den einfluss- und bevölkerungsreichsten Teilen der Eidgenossenschaft schnell durchgesetzt hatte, gelang es den Katholiken, ihre Kräfte für einen Gegenschlag zu mobilisieren.


Auch in den katholischen Gebieten fand eine Entwicklung statt. Weltliche Behörden übernahmen Aufgaben, die vorher von Bischöfen wahrgenommen worden waren (Gerichts- und Finanzwesen) und ernannten manchmal sogar Priester.
Nach dem Beispiel der Reformatoren errichteten auch die Katholiken Schulen, welche von den Jesuiten geleitet wurden.


Einen wichtigen Beitrag zur Erneuerung des Katholizismus in der Schweiz leistete der Kardinal Carlo Borromeo (Karl Borromäus) (1538-1584). 1579 gründete er das Collegium Helveticum in Mailand, an dem die Schweizer Geistlichen ausgebildet wurden. Borromeo, der 1610 heilig gesprochen wurde, gilt als Schutzheiliger der Katholischen Kirche in der Schweiz.
Die Katholiken eroberten auch einige Gebiete zurück. Nach ihrem Sieg bei Kappel (1531) kamen einige gemeine Herrschaften unter ihren Einfluss. Nachdem 1567 Bern das Chablais und das Pays de Gex an die Savoyer zurückgegeben hatte, traten diese das Gebiet an die Katholiken ab. Auch das Wallis kehrte unter dem Einfluss der katholischen Kantone allmählich wieder zum katholischen Glauben zurück.
Andere Gebiete blieben protestantisch, obwohl sie grossem Druck ausgesetzt waren. Ein Beispiel ist das Toggenburg, das trotz seiner Zugehörigkeit zum Kloster St. Gallen am protestantischen Glauben festhielt. Es gab auch Kantone, in denen man die Religion frei wählen konnte. In Glarus lebten sowohl Katholiken als auch Protestanten. Das Appenzell hatte damit etwas mehr Mühe und teilte sich 1597 in einen katholischen (Innerrhoden) und einen protestantischen Teil (Ausserrhoden).

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