Die beiden Maler lernten sich 1912 im Umfeld des Blauen Reiters in München kennen und brachten dem Werk des jeweils anderen eine grosse Wertschätzung entgegen. Mit keinem anderen Künstler hat Klee so viele Bilder getauscht wie mit Jawlensky. Obwohl sich die beiden Künstler nach 1925 nur noch einmal persönlich trafen, schenkten sie sich weiterhin gegenseitig Bilder und nahmen in ihrem Briefwechsel Anteil am Schicksal des anderen.
In dieser Ausstellung werden erstmals die zahlreichen hochkarätigen Werke von Alexej von Jawlensky gezeigt, die sich im Zentrum Paul Klee befinden. Es handelt sich einerseits um Werke aus dem Nachlass von Paul Klee, die als Schenkung von Livia Klee in das ZPK gelangten, andererseits um wertvolle Leihgaben von privaten Sammlern, unsere Klee-Bestände bereichern.
Künstlerische Anfänge
Das frühe Schaffen Jawlenskys und Klees ist ebenso geprägt von der Kunstausbildung, die sie am Ende des 19. Jahrhunderts durchliefen wie von ihrem künstlerischen Willen, die akademischen Schematismen zu überwinden. So nehmen das Porträt und die Menschendarstellung als klassische Gattungen der Malerei im Frühwerk beider Künstler einen wichtigen Platz ein. Modell sassen ihnen oft Menschen aus dem familiären und persönlichen Umfeld. Dies wie auch der subjektive darstellerische Ausdruckswille der beiden jungen Maler trugen zum individuellen Charakter der Porträtstudien bei. Für Jawlensky blieb die Darstellung des Menschen, insbesondere des menschlichen Gesichts, zeit seines Schaffens das beherrschende Bildthema, während sie in Klees Schaffen ein Motiv unter vielen blieb.
Bildertausch – Zeichen der Freundschaft
Zwischen 1914 und 1935 schenkten sich die beiden Künstler als Zeichen ihrer gegenseitigen Wertschätzung und Freundschaft 30 Werke (15 Bilder Klees, 15 Bilder Jawlenskys). Der Austausch, an dem zeitweilig auch Jawlenskys Lebensgefährtin, die Künstlerin Marianne Werefkin, beteiligt war, begann noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Für Klee waren diese Bilder «die kostbarsten und persönlichsten Geschenke» überhaupt.
Stillleben – neu gesehen
Sowohl Jawlensky wie auch Klee beschäftigten sich mit traditionellen Bildgattungen wie dem Stillleben, an dem sich ihre bildnerische Experimentierfreude entzündete. Ausgehend vom Vorbild der Impressionisten oder der Dachauer Malschule suchten beide Künstler nach einer «Verlebendigung» der Bildgegenstände durch den Gebrauch leuchtender Farben, durch die Wahl ungewöhnlicher Blickwinkel und Perspektiven sowie durch die dynamische Darstellung von Umrissen und Volumen. Die bildnerische Auseinandersetzung mit dem Stillleben tritt im Schaffen der beiden Künstler nach 1914 in den Hintergrund. Vereinzelt malte Jawlensky aber auch danach Blumenstillleben, die wie ein Innehalten in seiner fast ausschliesslichen Beschäftigung mit dem menschlichen Gesicht anmuten. Auch Klee beschäftigte sich – meist in ironischer Brechung – bis in sein Spätwerk mit dieser Gattung.
Informationen
Eventlokalität
Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
Bern



