Hornussen – Wo die Nuoss vom Bock ins Ries fliegt.

Hornussen erscheint auf den ersten Blick als eine Mischung aus Golf und Baseball – und doch ist es viel mehr: Es ist eine typisch schweizerische Sportart mit einer Tradition, die bis ins 16. Jh. zurückreicht.

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Um Geister zu vertreiben, war es früher Brauch, brennende Holzscheite vom Berg ins Tal zu schlagen. Aus dieser uralten Tradition soll angeblich das Hornussen entstanden sein: Ein Mannschaftsspiel, gespielt von allen Altersklassen und ohne bestimmte soziale oder gesellschaftliche Grundstruktur.

Spielablauf

Das Spiel besteht für die schlagende Mannschaft darin, den Nouss (eine Art Puck) so weit wie möglich in das gegnerische Spielfeld hinein zu treiben. Für die abtuende Mannschaft hingegen geht es darum, den anfliegenden Nouss so früh wie möglich mit der Schindel zu stoppen. Meistens werden zwei Umgänge gespielt, wobei jede Mannschaft pro Umgang einmal schlägt und einmal abtut. Jeder einzelne Spieler schlägt pro Umgang zwei Streiche mit drei Versuchen. Ein Spiel hat keine festgelegte Dauer, das Spielen von zwei Umgängen dauert in der Regel ca. drei bis vier Stunden. Die Mannschaft mit weniger Nummern gewinnt – d.h. bei ihr sind weniger Hornusse ungestoppt im Spielfeld gelandet. Zusätzlich zur Mannschaftswertung wird bei der Schweizer Meisterschaft und bei Festanlässen eine Einzelschlägerwertung geführt.

Der Hornuss

Der Hornuss bzw. der Nuoss war unsprünglich eine aus Holz oder eben Horn gefertigte Scheibe, welche ins Ries geschlagen wurde. Zum Begriff Hornuss gibt es verschiedene Erklärungen. Sämtliche Bedeutungen gehen auf den «hornenden», schwirrenden Ton der Nouss zurück. Messungen des biomechanischen Instituts der ETH Zürich ergaben übrigens, dass der Hornuss bei einer Abschlaggeschwindigkeit vom bis zu 85 m/s (306 km/h) eine Flughöhe von 50 bis 70 Meter und eine Flugweite von bis zu 330 Meter erreicht.

Ein Wettspiel

In den Ursprüngen des Hornussens lag es an der verlierenden Gesellschaft, das nach dem Spiel eingenommene Zvieri (Bortzeit) zu bezahlen. Heute werden stattdessen Wetten über den Spielausgang abgeschlossen, wobei sich die Einsätze in der Regel zwischen 50 und 100 Franken pro Spiel bewegen. Wetten sind auch bei reinen Freundschaftsspielen üblich, weshalb diese als Wettspiele bezeichnet werden. Es ist ebenfalls üblich, dass einzelne Spieler ähnlicher Spielstärke über die geschlagenen Punkte um ein Bier wetten.

Geschichte

In den Anfängen des Hornussens gingen wohl vor allem junge, ledige Bauern dem Hornussen nach. Sie trafen sich im Spätsommer/Herbst, um auf abgeernteten Feldern gegen Bauern anderer Dörfer zu spielen. Es ist überliefert, dass solche Anlässe, einerseits dem Kräftemessen unter den Spielern diente, aber auch, um Streitigkeiten zwischen den einzelnen Dörfern zu regeln. Trotz spielerischer Schlichtungsversuche soll es nach dem Hornussen nicht selten zu wüsten Raufereien gekommen sein. Erste schriftliche Aufzeichnungen zum Hornussen finden sich in Kirchenbüchern aus dem 16. und 17. Jahrhundert, das erste, bekannte Wetthornussen fand 1655 in Trub statt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte auch beim Hornussen die Vereinsbildung und Reglementierung ein. 1902 wurde der nationale Dachverband (Eidgenössischer Hornusserverband) gegründet. Der Eidgenössische Verband und seine regionalen Unterverbände organisieren die Meisterschaft der verschiedenen Ligen, das alle drei Jahre stattfindende Eidgenössische Hornusserfest, das Hornussen am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest sowie weitere stattfindende Feste.

Aktuell

Hornussen wird hauptsächlich in den Mittellandkantonen Bern, Solothurn und Aargau ausgeübt. Hornussen erfreut sich bis heute und trotz dem immensen Angebot verschiedenster Sportarten eines grossen Erfolges, der vom Verband nicht zuletzt mit der engen Verbindung sportlicher und brauchtümlicher Elemente erklärt wird. 2011 gibt es rund 270 Hornussergruppen mit rund 8’300 Spielerinnen und -spieler, die in vier Zweckverbänden und Gesellschaften organisiert und im Dachverband zusammengeschlossen sind.
Quelle

www.ehv.ch www.lebendige-traditionen.ch

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