Das letzte Gaswerk seiner Art - Schlieren
Überblick
Einleitung
Das Gaswerk Schlieren war um die Wende zum 20. Jahrhundert das grösste der Schweiz. Das im Wesentlichen intakte Ensemble umfasst imponierende Industriebauten sowie wertvolle werkeigene Wohnbauten, von der Direktorenvilla bis zur Arbeitersiedlung.
In der Ebene des damals noch weitgehend unverbauten Limmattals nahm 1898 die grösste Energieanlage der Schweiz ihren Betrieb auf. Der stark zunehmende Gasbedarf machte den Ausbau der Produktionsanlagen nötig. Das Gaswerk wurde bis zu Beginn der 1930er-Jahre stetig vergrössert. Die Stadt Zürich stellte im Jahr 1972 auf Erdgas um, was die Gasproduktion in Schlieren beendete. Die alten Werkgebäude verloren ihre ursprüngliche Funktion und werden heute anderweitig genutzt.
Die Hauptachse des Areals bildet die Turmstrasse. Grosse Hallen säumen die Westseite, kleinere Betriebsgebäude die Ostseite. Hier thront die Kraftzentrale mit ihrer prächtigen Backsteinfassade. Wahrzeichen des Areals sind der imposante Wasserturm mit farbig glasierten Ziegeln und der 35 Meter hohe Gasometer. Die riesige Kokshalle wurde 1896 für die Landesausstellung erbaut und zählt zu den grössten Schweizer Stahlbauten des 19. Jahrhunderts. Der grösste Massivbau auf dem Areal ist allerdings das Retorten- und Kohlehaus.
Zum Industrieensemble gehören auch die vornehme Direktorenvilla, die vier schmuckvollen Angestellten- und Beamtenhäuser mit ihren grossen Gärten sowie die auf den Fabrikeingang zentrierte durchgrünte und regelmässig angeordnete Arbeitersiedlung.
Ausflugstipp
Erkundungswillige schlendern am besten durch das öffentlich zugängliche Areal des ehemaligen Gaswerks. Verschiedene Läden und Lagerhallen haben sich hier eingemietet. Wer gerne klettert, besucht das Kletterzentrum, das sich in einer ehemaligen Fabrikhalle befindet.
ISOS steht für das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung. Das Inventar wird durch das Bundesamt für Kultur (BAK) erarbeitet. Das ISOS bezeichnet die wertvollsten Siedlungen der Schweiz. Es zählt heute rund 1200 Ortsbilder, vom Weiler bis zur Stadt. Das Inventar ermöglicht es, die Entwicklung und die Identität der von ihm erfassten Siedlungen zu verstehen. Es trägt somit zur Bewahrung der schweizerischen Architekturvielfalt bei und fördert eine nachhaltige Planung sowie eine hohe Baukultur.
