Einleitung

Der Simplonpass war seit jeher einer der bedeutsamsten Alpenübergänge zwischen Norden und Süden. Gut erhaltene Abschnitte des Stockalperwegs und imposante Bauten aus verschiedenen Epochen sind Zeitzeugen seiner aufregenden Vergangenheit.

Archäologische Funde lassen den Schluss zu, dass der tiefste aller Übergänge zwischen dem Wallis und Italien (2 005 m ü.M.) bereits in der Bronze- und Eisenzeit begangen wurde. Im 12. Jahrhundert erlangte er als Kernstück des Handelswegs zwischen den Wirtschaftszentren in Oberitalien und den Märkten der Champagne europäische Bedeutung. Kaspar Jodok von Stockalper, auch bekannt als «König des Simplons», liess ab 1635 den 35 Kilometer langen Weg zwischen Brig und Gondo ausbauen und mit monumentalen Gebäuden schmücken. 1800 liess Napoleon aus militärstrategischen Gründen eine breite Fahrstrasse über den Simplon bauen. Die 1805 fertiggestellte, 63 Kilometer lange Strasse gilt mit ihren acht grossen Brücken und sieben Felsgalerien als erste Kunststrasse der Alpen.  

Der Eisenbahntunnel durch den Simplon brachte 1906 den Verkehr über den Pass völlig zum Erliegen. Doch mit dem Aufkommen des Automobils änderte sich dies. Bereits 1919 nahmen Postautos den Kurs auf, die Strasse wurde sukzessive asphaltiert und ausgebessert. Der Zweite Weltkrieg erhöhte die militärische Bedeutung der Gegend, die ganze Passhöhe dient seither als Übungsplatz von Infanterie und Artillerie. Das grosse Adlerdenkmal erinnert an die Zeit der Grenzbesetzung. 

Verschiedene Bauten zeugen von der Entwicklungsgeschichte der Simplonhöhen. Aussergewöhnliche gemauerte Alpsiedlungen aus dem 12. und 13. Jahrhundert prägen die raue Passlandschaft. Aus der Blütezeit des Passes stammt das 1666 vollendete Spittel mit Zwiebelhaube und offenem Glockentürmchen, das Stockalper auf einem Moränenhügel errichten liess. An seinen Füssen erstreckt sich das 120 Meter lange Barralhaus mit seinen 35 Fensterachsen. Es wirkt wie ein Riegel in der Landschaft. Ins Auge sticht auch das mächtige Hospiz aus der postnapoleonischen Zeit, das als grösster Hospizbau der europäischen Alpenpässe gilt. Vom Aufkommen des Fremdenverkehrs zeugt das Hotel «Bellevue». Sein schlichtes Äusseres lässt die baulichen Zeugnisse der Belle Époque im Innern nicht erahnen. 

Ausflugstipp

Der Simplonpass bietet viele Ausflugsmöglichkeiten. Der gepflasterte Saumpfad Stockalpers ist über weite Strecken erhalten geblieben und kann auf der ViaStockalper erwandert werden. Eindrücklich ist auch das von Napoleon erbaute Hospiz. Es ist das grösste Passhospiz der Alpen und kann bis zu 130 Gäste beherbergen.  

ISOS

ISOS steht für das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung. Das Inventar wird durch das Bundesamt für Kultur (BAK) erarbeitet. Das ISOS bezeichnet die wertvollsten Siedlungen der Schweiz. Es zählt heute rund 1200 Ortsbilder, vom Weiler bis zur Stadt. Das Inventar ermöglicht es, die Entwicklung und die Identität der von ihm erfassten Siedlungen zu verstehen. Es trägt somit zur Bewahrung der schweizerischen Architekturvielfalt bei und fördert eine nachhaltige Planung sowie eine hohe Baukultur. 

Übersicht

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