Überblick

Einleitung

Unter den vielen Burgen, die im Laufe des Mittelalters an den Ufern des Genfer Sees entstanden, ist die Burg von Rolle eine der geheimnisvollsten, zumindest was ihren Ursprung und ihre Baugeschichte betrifft.

Unter den zahlreichen Burgen, die im Laufe des Mittelalters an den Ufern des Genfersees entstanden, ist die Burg von Rolle eine der geheimnisvollsten, zumindest was ihren Ursprung und ihre Baugeschichte betrifft. Wie das Schloss von Morges steht es ganz in der Nähe des Wassers und war früher von der Stadtseite her durch Gräben geschützt. Ohne die äußeren Befestigungen ist das Bauwerk heute ein unregelmäßiges Viereck mit einem Turm an jeder Ecke.

Der westliche Teil hat seine mittelalterliche Silhouette fast vollständig verloren. Die Ecktürme unterscheiden sich sowohl in der Form als auch in der Art ihrer Konstruktion stark voneinander. Der Turm an der Nordwestecke hat einen runden Grundriss, der Turm, der die stumpfe, dem See zugewandte Ecke flankiert, ist auf einem rechteckigen Grundriss errichtet, während der Grundriss der beiden anderen Türme ein geschlossenes und überhöhtes Halboval beschreibt. Zwischen diesen Türmen verläuft die Stadtmauer in geraden Linien. An einigen Stellen sind noch die Reste eines Wehrgangs zu sehen.

Einige lange, zusammenhängende Gebäude lehnen sich an die Innenseite der Mauern an, wo sie einen großen Hof umschließen. An diesen Gebäuden lassen sich mehrere Bauphasen ablesen. Die Arkaden auf der Seite des Hofes wurden größtenteils zugemauert. Auch die Innenaufteilung wurde mehrfach umgebaut. Insbesondere die großen Fenster, die vor allem an der Außenseite den defensiven Charakter des Schlosses stark beeinträchtigt haben, sind neueren Datums. Die Schießscharten in der Ringmauer und den Ecktürmen wurden mit dem Aufkommen von Feuerwaffen verändert.

Ohne eine gründliche archäologische Untersuchung ist es nicht möglich, schlüssig zu erklären, warum die Festung von Rolle einen so seltsam unregelmäßigen Grundriss aufweist, insbesondere was den Teil zum See hin mit seiner stumpfwinkligen Umfassungsmauer und dem quadratischen Turm betrifft. Was den Rest der Burg betrifft, also den runden Turm und die beiden halbrunden Flankierungstürme, neigt man dazu, hier den Torso eines Bauwerks zu sehen, das dem Modell des savoyischen Vierecks mit rundem Bergfried und kleineren Ecktürmen entspricht. Doch wie lässt sich der östliche Teil der Burg erklären, der sich völlig vom üblichen Schema unterscheidet? Wurde der ursprüngliche Plan des Vierecks auf der Seeseite nie ausgeführt oder wurde er frei verändert, um einen älteren Turm in das Bauwerk einzuschliessen?

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