Madame Engadin Skimarathon.
Einleitung
Bei jeder Austragung seit 1969 war Françoise Stahel dabei, nicht einen einzigen Lauf hat sie ausgelassen. Nun fiebert die 80-jährige Langläuferin dem grossen Jubiläum entgegen.
St. Moritz
St. Moritz ist nicht einfach nur ein Ferienort. Das Dorf im Oberengadin ist Geburtsort des alpinen Wintertourismus (1864) und Schauplatz von zwei Olympischen Winterspielen. Es verdankt seine Bedeutung ursprünglich jedoch den Heilquellen, die seit 3'000 Jahren bekannt sind und den Ort früh schon zum Sommer-Kurort machten.
Sie hüpfen und kreisen mit den Armen. 13'119 Frauen und Männer können den Start kaum erwarten. Würde die Aufwärmmusik sie nicht übertönen, man könnte bestimmt die Pulsschläge der Wartenden hören.
Von ihnen stehen 3'723 zum ersten Mal überhaupt an ihrem Startplatz am Ufer des gefrorenen Silsersees. Ganz anders Françoise Stahel.
Keine Frau der Welt hat den Engadin Skimarathon öfter bestritten.
Die stille französische Revolution.
Als die gebürtige Französin 1959 für einen Sprachaufenthalt nach Klosters kam, ahnte sie nicht, wie fortan die Schweizer Berge ihr Leben in alle Belangen beeinflussen würden. Der Sommer sei schön, aber besonders der Winter habe es ihr angetan, berichtet die rüstige Rentnerin. Als Rezeptionistin hatte man ihr das Skifahren untersagt.
«Das wäre viel zu gefährlich und man könnte mich bei der Arbeit nicht entbehren.»
Zu Beginn hielt sich Françoise Stahel an die Direktiven. Doch sie konnte dem Ruf der Berge nicht widerstehen und ging schon bald heimlich zum Skifahren. Sie liebte es, erkannte jedoch schnell: Ihr Talent liegt in der Ausdauer. So wandte sie sich dem Langlauf zu.
... für Françoise Stahel aber der Beginn einer glühenden Leidenschaft.
«Es sind die Gene.»
Wenn sie sich heute die Bilder der ersten Engadin Skimarathons anschaut, lacht sie laut: «Schauen Sie sich diese Technik an, fürchterlich!» Aber eben, ihre Stärke war die Ausdauer und diese trug sie 1972 auf den hervorragenden zweiten Platz.
Ganz ohne Training war dies natürlich nicht möglich. Zu jener Zeit lief Françoise Stahel 2000 Kilometer pro Saison, heute sind es knapp 200. Ist dies nicht ausserordentlich mit 80 Jahren? «Finden Sie?», fragt sie keck zurück. «Nun, ich war das ganze Leben aktiv, aber ich spüre das Alter schon, besonders am Morgen fühle ich mich manchmal etwas steif», was die quirlige Dame aber nicht von einem äusserst aktiven Lebensstil abhält.
Ein Leben in Bewegung.
Dreimal am Tag verlangt Bonita nach einem Fitnessprogramm. Die Hündin stammt aus einem Tierheim und ihr Alter ist unbekannt, wohl um die neun Jahre alt soll sie sein. Wenig überraschend: Auch Bonita ist trotz gesetztem Alter topfit, in diesem Fall also: wie das Frauchen, so der Hund. Neben mehrstündigen tierischen Ausflügen sind auch Yoga und Atemübungen ein wichtiger Fixpunkt im Leben der 80-Jährigen.
Zweimal pro Woche bewegt sie sich von Sonnengruss zu Kapalabhati, nicht zuletzt für ihr jährliches Ziel, den Engadin Skimarathon.
Nach jedem Lauf fühle ich mich in einem unglaublichen Hoch.
... schwärmt die vierfache Grossmutter, deren Tochter und Enkelin mittlerweile ebenfalls am Start sind. Drei Generationen – eine Passion – und dies soll auch beim grossen Jubiläum am 11. März 2018 der Fall sein, wenn Françoise Stahel ihren 50. Engadin Skimarathon unter die Füsse nimmt.
Dario Cologna zeigt sich beeindruckt.
Der dreifache Olympiasieger und Titelverteidiger am Engadin Skimarathon nimmt sich Françoise Stahel zum Vorbild.
Facts - Engadin Skimarathon.
Gegenüber der ersten Austragung laufen heute fünfzehn Mal so viele Teilnehmer über die Strecke des «Engadiners». Dies bedingt einen gestiegenen Aufwand für die Organisatoren, der sich in eindrücklichen Zahlen niederschlägt.
• 42 Kilometer
• 1'500 Helfer
• 13'000 Teilnehmer
• 334'900 Portionen Verpflegung
• > 2'000'000 Herzschläge pro Minute