Sein Knall rettet Leben.
Einleitung
Ein Donnerschlag und schon tosen Tonnen von Schnee zu Tal. Dies ist das Werk von Raphy Gillioz. Einst selbst einer der besten Freerider der Welt, sorgt er nun für die Sicherheit im Skigebiet «4 Vallées» um Nendaz-Veysonnaz.
Nendaz
Nendaz liegt auf einer Sonnenterrasse über dem Rhonetal nahe dem Walliser Hauptort Sitten (Sion). Im Winter liegt der Ort im Herzen des Skigebiets «Les 4 Vallées», das mit 92 Anlagen kaum Wintersportwünsche offen lässt. Während der warmen Jahreszeit ist der familienfreundliche Ferienort bei Bikern und Wanderern beliebt.
Ein neuer Tag bricht an. Die Pisten sind leer und die Anlagen stehen still.
Sprengmeister Raphy Gillioz schwingt sich auf sein Schneemobil, dieses bringt ihn in Richtung Mont Fort, den höchsten Gipfel in seinem Revier.
Die anschliessende Gondelfahrt regelt er selbst.
Schlüssel drehen, Knöpfe drücken, jeder Handgriff sitzt. Mit an Bord seine Skis, ein Rettungsschlitten und vier Kanister Treibstoff.
Angekommen in seiner Basis auf 2900 M. ü. M.
... begibt er sich zum Sprengstofflager und präpariert eine 2,5kg-Ladung. Jeden Winter detonieren bis zu acht Tonnen Sprengstoff in den weissen Hängen von «4 Vallées». Diese kontrollierten Lawinenniedergänge sollen Schneesportler vor einem Unglück bewahren.
Manchmal staunen selbst wir, welch grosse Schneemengen sich da lösen können.
Mit Sprengstoff, Zündschnur und Zünder ausgerüstet, begeht der Sprengmeister die entlegensten Hänge zu Fuss. Wenn es das Wetter zulässt, kommt auch mal ein Helikopter zum Einsatz.
Das Skigebiet um Nendaz-Veysonnaz ist bekannt für seine zahlreichen Routen abseits der präparierten Pisten.
Die Freerider sind denn auch die Hauptnutzniesser seiner Arbeit. Auf der Suche nach der ultimativen Linie reisen sie aus der ganzen Welt hierher.
Facts zum Gebiet.
Nendaz liegt im weiten Skigebiet der «4 Vallées» (Verbier, Veysonnaz, Nendaz, La Tzoumaz & Thyon). Der beste Zugang erfolgt von Siviez aus und die Möglichkeiten für Schneesportler sind vielfältig.
4 Vallées in Zahlen
12 km Loipen
40 km Schneeschuhpfade
92 Anlagen
100 km Winterwanderwege
412 km Pisten
21'563 m Freeride-Routen
Stars auf Brettern.
Dieses Pulver-Paradies bringt einheimische Profis hervor.
Der 29-jährige Richard Amacker aus Nendaz feierte mehrere Erfolge auf der Freeride World Tour. Mit ihm verbindet Raphy Gillioz mehr als die Herkunft. Denn der heutige Sicherheitschef fuhr bis vor acht Jahren selbst an Freeride-Wettkämpfen mit. Am weltbekannten Verbier Xtreme erreichte er den dritten Platz und schloss die gesamte World Tour auf dem siebten Rang ab. Aus diesen Erlebnissen rührt auch sein Verständnis für Freerider auf ihrer Suche nach dem Tiefschnee-Abenteuer.
Mehr Druck für Pistenchef.
Unmittelbar nachdem Schnee gefallen ist, fahren heute schon die ersten Leute in die Hänge.
Dies sei eine grosse Herausforderung erklärt Raphy Gillioz. Umso wichtiger sei schnelles, präzises Arbeiten der Patrouilleure geworden. Trotz aller Massnahmen: Komplett vorbei an tragischen Unfällen kam der Familienvater nicht.
In meiner 18-jährigen Tätigkeit konnte ich vier Menschen lebend aus Lawinen bergen.
Für eine Person sei aber jegliche Rettung zu spät gekommen. Jede Art von Schneesport bedürfe voller Aufmerksamkeit, ist Raphy Gillioz überzeugt.
Die hohen Geschwindigkeiten auf den Pisten sind mindestens so anspruchsvoll wie eine Fahrt abseits der Piste.
Von zusätzlichen Vorschriften oder Einschränkungen will Raphy Gillioz nichts wissen. «Die Leute dürfen überall runterfahren. Das ist auch richtig so. Aber jeder soll sich gut vorbereiten, das tut auch unser Lokalmatador Richard Amacker.»