Frauenpower. Swiss Historic Hotels.
Einleitung
Ohne Maria Schmid hätte das Hotel Ofenhorn in Binn die Belle Epoque kaum überlebt. Dank weiterer starker Frauen, wie jetzt Regula Hüppi, erstrahlt es heute in einzigartigem historischen Glanz und begeistert die Gäste immer wieder aufs Neue. Der Schweizer Heimatschutz zählt das «Ofenhorn» zu den schönsten Hotels der Schweiz.
Hotel Ofenhorn
Das traditionsreiche Hotel aus der Gründerzeit wurde ab 1987 durch die Genossenschaft Pro Binntal kontinuierlich und liebevoll restauriert. Heute erstrahlt es wieder in neuem Glanz und wird von Regula Hüppi geführt.
Im Tal der verborgenen Schätze. Wie die Briten ins Binntal kamen.
Die besondere Hotelière
Man kann sich das heute kaum vorstellen: Maria Schmid hatte bereits neun Kinder zur Welt gebracht, als sie 1883 ins neu erbaute Hotel Ofenhorn zog, fünf weitere sollten folgen. Mit einem Minimum an Personal und mit der Rasselbande im Schlepptau schmiss sie Sommer für Sommer den Betrieb, während ihr Mann mit Gästen auf Bergtour ging.
Die Reise ins Binntal
Damit die britischen Aristokraten in Binn nach Mineralien schürfen konnten, mussten sie mit dem Schiff auf den Kontinent, mit der Bahn nach Brig und mit der Postkutsche nach Fiesch fahren. Von da wanderten sie mit Sack und Pack zweieinhalb Stunden nach Binn. «Und wir denken, wir hätten ein anstrengendes Leben», sagt Regula Hüppi schmunzelnd. «Maria Schmid musste etwas an sich gehabt haben, eine mütterliche Aura, ein ausgeprägtes Gastgeberflair», sagt Regula Hüppi. Denn die Briten kamen immer zahlreicher. 1897 konnte das Hotel erweitert (und unter anderem der junge Winston Churchill empfangen) werden. 1906 kam eine Dependance hinzu.
Die Rettung des Ofenhorns
Die Wiederbelebung als historisches Haus ist der Genossenschaft Pro Binntal zu verdanken, die das einzige Hotel im Tal seit 1985 trägt und mit mutigen Visionen vorantreibt. Zwischen 2007 und 2016 liess sie es mit viel Sinn für die Geschichte restaurieren. Tannenriemenböden wurden freigelegt, alte Jugenstilmalereien hervorgeholt, die ehemalige «Petite Salle» mit Originalmöbeln aus der Belle Epoque eingerichtet, die Tapete im Frühstückssaal aufgrund von originalen Fragmenten rekonstruiert und in aufwendigem Sechsfarbendruck neu hergestellt. Das Bijou galt bald wieder als eines der schönsten historischen Hotels der Schweiz.
Regula Hüppi
Noch keine 30 Jahre alt, kurz vor dem Abschluss der Hotelfachschule Thun und ohne Ahnung, wo es hin gehen sollte, entschied sich Regula für eine Saison nach Binn zu gehen und das Haus zu führen. Jetzt ist sie bereits das dritte Jahr da – und glücklich. «Die Menschen hier sind sehr offen, ich geniesse vollste Unterstützung.“
Wie ich den Betrieb führe? Persönlich, herzlich und unkompliziert.
Es gäbe zwar hie und da tatsächlich noch Gäste, die nach dem «Herrn des Hauses» fragen, sagt Regula Hüppi und lacht: «Dann schicke ich halt einen Angestellten zur Rezeption und amüsiere mich über das Schauspiel.» Auch in solchen Momenten denkt sie nicht ohne Stolz an Maria Schmid und ihre anderen Vorgängerinnen, an deren Stärke und Freude als Gastgeberinnen – und an das Zitat, von dem sie nicht mehr weiss, wer es einmal gesagt hat: «Der Erfolg der Frauen steigt mit der Absenz des Mannes.»
