Die herausgeputzten Arbeiterhäuser - Fabrikanlage Lorzenweid
Überblick
Einleitung
An der Lorze vor Cham liegt das Industrieensemble «Lorzenweid». Als komplettes Fabrikensemble aus der Gründerzeit mit Werkgebäude, Arbeiterhäusern, Fabrikantenvilla und noch intakten hydrotechnischen Anlagen ist es ein wichtiger Zeuge der Industrialisierung im Kanton Zug.
1862 wurde am unteren Lorzenlauf die Spinnerei Lorzenweid gegründet. Während des amerikanischen Bürgerkriegs profitierte der Betrieb vom Export nach Übersee. Schon bald liessen die Fabrikherren auf der schmalen Insel zwischen dem Fabrikkanal und dem Altlauf der Lorze erste Kosthäuser, Wohnhäuser für die Arbeiter, erstellen. 1888 zerstörte ein Brand das mächtige Spinnereigebäude und rund 360 Arbeiter verloren ihre Arbeit. Das nach dem Brand neu errichtete Fabrikgebäude fiel kleiner aus und verfügt über ein dreiteiliges Sägedach und hohe Stichbogenfenster. Am Lorzenkanal liegt ein kleines Turbinenhaus, das noch heute die Papierfabrik Cham mit Strom versorgt. In einiger Distanz zum Fabrikgelände steht die Fabrikantenvilla gut sichtbar auf einem Hügelwall.
Die Fabrikanlage gehört heute zu den bedeutendsten Zeugen der ersten Industrialisierungsphase im Kanton Zug. Von der ursprünglichen Anlage am besten erhalten sind die Kosthäuser. Die zweigeschossigen, regelmässig befensterten Giebelbauten reihen sich einheitlich entlang des Fabrikkanals. Die Häuser standen lange leer und wurden 2015 unter strengen Auflagen saniert.
Ausflugstipp
Von Hagendorn aus führt ein Wanderweg an der Lorze durch das ehemalige Fabrikgelände in einer Stunde nach Cham. Wer die Kraft der Lorze anderweitig erleben will, besucht die einzigartigen Tropfsteinhöhlen im Lorzentobel bei Baar.
ISOS steht für das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung. Das Inventar wird durch das Bundesamt für Kultur (BAK) erarbeitet. Das ISOS bezeichnet die wertvollsten Siedlungen der Schweiz. Es zählt heute rund 1200 Ortsbilder, vom Weiler bis zur Stadt. Das Inventar ermöglicht es, die Entwicklung und die Identität der von ihm erfassten Siedlungen zu verstehen. Es trägt somit zur Bewahrung der schweizerischen Architekturvielfalt bei und fördert eine nachhaltige Planung sowie eine hohe Baukultur.
