Der Arve auf der Spur. Auf der Via Engiadina von Arvenstube zu Arvenstube.
Einleitung
Der Höhenwanderweg «Via Engiadina» führt im Oberengadin von Maloja bis Zernez durch idyllische Dörfchen mit ihren typischen Engadinerhäusern und jahrhundertealte Arvenwälder. Das aromatisch duftende Arvenholz entfaltet eine beruhigende Wirkung, und findet sich auf der Wanderung in den schönsten «Stüvas» und sogar auf dem Teller wieder.
Via Engiadina im Oberengadin
Der Weitwanderweg startet im Passdörfchen Maloja und bietet einen herrlichen Ausblick auf die Oberengadiner Seen. In fünf Etappen führt er über Silvaplana, Celerina, Bever und Zuoz bis nach Zernez (und von dort aus weiter ins Unterengadin bis nach Vinadi). Die Route lädt zu Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten in den traditionellen «Stüvas» ein.
Die Arve und ihr Holz
Die Arve – auch bekannt als Zirbelkiefer – ist in den Alpen zuhause und bewaldet das Oberengadin. Ihr Holz ist weich und eignet sich für den Bau von Möbeln und Stuben. Im Winter speichert das Holz die Wärme, im Sommer hält das ätherische Öl der Arve die Fliegen fern.
Die «Stüvas»
Die traditionellen Arvenstuben, im Romanischen «Stüvas» genannt, waren ursprünglich der Lebensmittelpunkt der Familien. Dank der kleinen Fenster und da direkt neben der Küche, der «Chadafö», gelegen, waren sie der einzige warme Raum der Bauernhäuser. Heute werden die Arvenstuben vor allem wegen des Holz-Ambientes geschätzt. Das war nicht immer so: Als die Ölfarbe aufkam, haben die Bauern das Holz zur Modernisierung übermalt – die Farbreste nach dem Ablaugen sind heute noch in den Astlöchern sichtbar.
Von Bever nach Zuoz. Zu Besuch in den schönsten Arvenstuben.
Herzschonend übernachten im Hotel Chesa Salis, Bever
Das ehemalige Bauernhaus war einst im Besitz der Familie von Salis, woher auch sein Name stammt. Heute ist die Chesa Salis ein persönlich geführtes Hotel mit 18 einzigartigen Zimmern, die mit ihrer traditionellen Holzverkleidung und der liebevoll ausgewählten Dekoration überzeugen. In den Arvenzimmern soll man einen besonders ruhigen Schlaf geniessen: Dem Holz wird nachgesagt, dass es das Herz schont – und das Schnarchen hemmt.
Die Gäste schätzen, dass sie sich bei uns wie zuhause fühlen können.
Einmal Arve, bitte. Zwischenstopp in La Punt.
Arve für den Gaumen im Gasthaus Krone, La Punt
Direkt vom Albulapass über die Brücke kommend, sieht man die Krone in La Punt über dem Fluss thronen. Seit über 18 Jahren wird sie von Sonja und Andreas Martin geführt. Während sich Sonja Martin um das Wohl der Gäste kümmert, tüftelt ihr Mann in der Küche Menüs mit Arvenholz aus.
Die Leute waren am Anfang skeptisch, weil sie diesen ätherischen Badezusatz im Kopf hatten.
Auf die Idee gekommen ist Andreas Martin vor rund sieben Jahren bei einem Winterspaziergang unter den Arven, als er spontan ein paar Zapfen mitgenommen hat. Heute verwendet Martin fast alle Teile der Arve: Die in Alkohol eingelegten Zapfen werden zu Schnaps verarbeitet, die Rinde dient zum Fermentieren von Gemüse, mit den Arvenspänen werden Fisch und Filets geräuchert und die Nadelspitzen werden in Beignets verarbeitet.
Jedes Haus braucht seine Seele und ich glaube, dass wir als Gastgeber ein Stück davon sind.
Etappenende in Zuoz.
Kulinarisch in die Geschichte eintauchen im Restorant Dorta, Zuoz
Könnte das Dorta reden, hätte es bestimmt einige Geschichten zu erzählen: Bereits im Mittelalter als Bauernhaus geführt, fällt es während des Schwabenkriegs 1499 den Flammen zum Opfer. Heute dienen vor allem die Dekoration, bestehend aus Landwirtschafts- und Jagdutensilien, und der integrierte Kerker als Zeitzeugen. In den Arvenstuben, die teilweise seit 1600 bestehen, lassen sich wunderbare Capuns geniessen – aber Achtung: Kopf einziehen nicht vergessen.
1994 kauft Gian Rico Blumenthal das Restaurant aus Liebe zu den Engadinerhäusern. Er steckt nicht nur viel Liebe in die beeindruckende Dekoration, sondern lässt die traditionelle Bündner Küche in die Gastronomie einfliessen. Heute wird das Restaurant von Salustiano Cardeira geführt, der die Gäste gemeinsam mit seinem Team auch in der kleinsten Stüva mit einheimischen Spezialitäten verwöhnt.