Der Kutscher vom wilden Tal.

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Einleitung

Er spricht die Sprache der Pferde, sieht sich selbst aber nie und nimmer als Pferdeflüsterer. Werner «Wohli» Wohlwend ist Fuhrhalter, Geschäftsmann und Familienmensch. Sein Herz gehört den Pferden. Über 50 hat er auf seinem Hof, um den Fahrplan des Pferde-Omnibus ins Rosegtal sicherzustellen. Er kennst sie alle beim Namen.

Pontresina

Pontresina liegt auf 1’805 Metern in einem Seitental des Oberengadins und ist der Ausgangspunkt für Ausflüge ins wunderschöne Rosegtal.

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Pontresina
Graubünden
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Werner «Wohli» Wohlwend, Kutscher
Wer mit Pferden arbeitet, wird nicht reich. Aber man wird auf eine andere Art bereichert, wie sonst niemand.
Werner Wohlwend

Das Engadin ist seine Heimat

Wohli ist in Pontresina aufgewachsen – nur wenige hundert Meter von seinem heutigen Pferdehof entfernt. «Als kleiner Junge habe ich dem Bauern auf diesem Hof oft ausgeholfen», erinnert er sich. Die Liebe zu den Tieren hatte Wohli schon immer im Blut, aber erst durch seine Frau Gina wurde sie wieder so richtig entfacht. Aus einem gemeinsamen Hobby wurde ein gemeinsamer Beruf – er als Fuhrhalter, sie als Reitlehrerin.

Morgenritual

Dutzendweise galoppieren die Pferde im Kreis, schnauben und wirbeln mit ihren Hufen den Schnee auf. Hinter dem Piz Albris blinzeln die ersten Sonnenstrahlen hervor und hüllen die Szene vom Schneegestöber und Dunst der Tiere in ein magisches Licht. Nicht selten beginnt so ein Tag auf Wohlis Hof. Wohli selber steht allerdings schon eine ganze Weile auf den Beinen. Sein Tag beginnt und endet mit einem Rundgang bei den Pferden, wo er nach dem Rechten sieht. Ein paar Streicheleinheiten dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Denn zu seinen Tieren hegt er eine ganz besondere Verbindung: «Ich liebe die Ehrlichkeit der Pferde. Da habe ich einfach das Gefühl, man versteht sich.»

Mit zwei Pferdestärken ins autofreie Tal

Der Schlitten steht bereit. Wohli legt die kuschligen Felle und Wolldecken aus. Schliesslich sollen es die Gäste auf der Fahrt warm und gemütlich haben. «Auf Wunsch offerieren wir auch einen Punch.» Denn im Winter sinkt das Thermometer gerne mal auf minus 20 Grad. Dem Erlebnis tut dies allerdings keinen Abbruch: Die Stimmung ist dafür umso mystischer. «Und deshalb lohnt sich eine Schlittenfahrt auch bei klirrender Kälte», bestätigt Wohli. Jetzt fehlen nur noch die Pferde. Eingespannt werden Napoleon und Nero, zwei stattliche Kaltblüter. Sie ziehen den Schlitten heute ins Rosegtal. Startpunkt ist unmittelbar neben dem Bahnhof Pontresina, wo sich das kleine Strässchen entlang der Ova da Roseg ins Tal hinaufschlängelt.

Wildromatisch – das kommt nicht von mir. Das steht überall. Und das kann ich nur unterstreichen.
Werner Wohlwend

Wilde Winter-Idylle

Arven- und Lärchenwälder umgeben von meterhohen Schneedecken und einer spektakulären Bergkulisse – das Rosegtal zählt nicht umsonst zu den schönsten Alpentälern der Schweiz. Mit etwas Glück kann man auf der Schlittenfahrt sogar Gemsen und Rotwild beobachten. Als Wohli seinen Schlitten stoppt, bemerken die Gäste erst, wie ruhig es im Tal ist: «Winter hier im Val Roseg ist Idylle, Ruhe.»

Schlitten zu fahren ist das schönere Gefühl, aber mein Herz schlägt schon für die mehrspännigen Kutschen auf Rädern.
Werner Wohlwend
  • Mit 3-6 Pferdestärken verkehrt der Pferde-Omnibus je nach Auslastung.
  • Bis zu 30 Passagiere finden Platz auf dem Sechsspänner inklusive Anhänger.
  • 7 Kilometer beträgt die Strecke hinauf zum Hotel Restaurant Roseg Gletscher.
  • 5x täglich fährt der Pferde-Omnibus ab Mitte Dezember bis Ende März nach Fahrplan.

Lebendige Traditionen

Reine Pferdeschlitten, so ganz ohne Räder, gibt es im Engadin kaum mehr. «Für mich ist das eine Traditionsgeschichte. Und diese will ich unbedingt aufrechterhalten», erklärt Wohli. Seine Passion gilt jedoch dem Pferde-Omnibus: «Ich fahre gern Schlitten, aber den Sechsspänner fahre ich lieber.» Der Fuhrhalter mag die Geselligkeit und erlaubt sich gerne mal ein Spässchen mit seinen Gästen. «Wenn alle jodeln und lachen, gefällt mir das am besten. Bei mir muss immer etwas laufen.» Aber Wohli liebt auch die Herausforderung. Ein Gespann mit einer Länge von über 19 Metern und einem Gesamtgewicht von gut 11.5 Tonnen bergauf um enge Ränke fahren – so etwas will gelernt sein. «In Lektüren habe ich recherchiert, wie das die alten Postkutschen gemacht haben. Und es funktioniert.»

Das Schönste ist, wenn abends alle Pferde gesund und frohen Mutes zurück sind. Dafür stehe ich morgens gerne wieder auf.
Werner Wohlwend
Ein Herz und eine Seele: Wohli lebt für seine Pferdeschar.

Erlebnisse