Weshalb Skitouren am schönsten sind, wenn sie sicher sind
Einleitung
Skitouren gehören zu den eindrücklichsten und entschleunigendsten Erlebnissen überhaupt. Unberührte Natur trifft auf Mensch. Naturgewalten treffen auf Muskeln. Wer diese unbeschreibliche Erfahrung machen möchte, sollte die Gefahren nicht ausblenden, sich gut vorbereiten und sich mithilfe des Lawinenbulletins informieren. Graubünden legt grossen Wert darauf.
Graubünden
Das Angebot an Skitouren in Graubünden ist riesig. Dabei stechen vier TOP Regionen besonders hervor: Unterengadin Val Müstair, Davos Klosters, Disentis Sedrun und Prättigau. Sie bieten Routen von sanften Aufstiegen bis zu anspruchsvollen Gipfeltouren und zeigen die ganze Vielfalt des Skitourengehens in Graubünden.
Skitouren Eldorado Graubünden
Graubünden verbindet Abenteuer und Wissen
Graubünden ist nicht umsonst ein Skitouren-Eldorado. Kaum eine andere Region vereint so viel Weite, Vielfalt und alpine Möglichkeiten. Sanfte Hänge und wilde Gipfel, stille Täler und hochalpine Räume – ein Terrain, das Freiheit verspricht und Respekt verlangt. Mitten in Graubünden liegt das Zentrum des Wissens: das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos. Dort, wo täglich Spuren im Pulverschnee gezogen werden, wird gemessen, analysiert und geforscht. Schicht für Schicht, Zahl für Zahl entsteht Wissen, das draussen Orientierung gibt.
Dr. Christine Pielmeier
Christine Pielmeier ist Lawinenwarnerin und Wissenschaftlerin am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Seit 2003 ist sie dort als wissenschaftliche und technische Mitarbeiterin tätig, unter anderem im operationellen Lawinenwarndienst für die Schweizer Alpen. Sie ist zuständig für Produktentwicklung, Ausbildung und Wissenstransfer im Bereich Forschung und Lawinenwarnung.
Unberührtes Freiheitsgefühl
Und Spuren, die bleiben.
Der Tag beginnt
First Lines. Die ersten Schwünge im unberührten Neuschnee. Pulverschnee bis unter das Kinn, ein Moment des Schwebens. Rundherum nur Schnee, Berge, Bäume, Natur. Stille. Das ist Skitouren. Der Lohn für alles, was davor liegt. Für die frühen Starts, die Höhenmeter und die Entscheidungen. Für genau diese Augenblicke, die man einmal erlebt hat und immer wieder sucht.
Während sich einige diesem Genuss hingeben, beginnt der Tag für andere auf eine ganz ähnliche, und doch völlig andere Weise. Auch hier werden Spuren in den Pulverschnee gezogen. Sorgfältig. Bewusst. Mit einem anderen Blick. Während draussen First Lines für den Genuss entstehen, entstehen hier und an über 300 weiteren Orten in der Schweiz Linien für die Sicherheit. Messungen im Schnee. Schichten, Temperaturen, Stabilität. Jede Probe ein Puzzleteil, jede Spur ein Beitrag.
Nicht für den eigenen Moment, sondern für viele.
Damit Orientierung möglich wird. Damit fundiert entschieden werden kann. Damit das Freiheitsgefühl nicht leichtsinnig entsteht, sondern auf Wissen und Erfahrung basiert.
Ruhig. Sanft. Unberührt.
Eine weisse Decke aus Pulverschnee liegt über dem Gelände. Alles wirkt harmlos und schwerelos. Keine Spuren, keine Geräusche – nur Stille. Doch dieser Schnee birgt mehr, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Unter seiner Oberfläche verbergen sich Schichten, Vorgänge und Geschichten vergangener Tage. Genau hier beginnt Verantwortung.
Dieses Freiheitsgefühl entsteht nicht einfach so. Es braucht Vorbereitung. Erfahrung. Wissen. Einen genauen Blick. Damit aus unberührtem Schnee ein sicherer Raum entsteht und der Moment zu einem Erlebnis wird, das in Erinnerung bleibt.
Begleitet von Erfahrung
Dr. Christine Pielmeier empfiehlt allen, die zum ersten Mal auf Skitour gehen, einen Einsteigerkurs bei einer Bergschule oder beim Alprenverein zu besuchen. In Graubünden bieten Bergführerschulen massgeschneiderte Angebote: von ersten Schnuppertouren über geführte Tagestouren bis hin zu vertiefenden Skitouren- und Lawinenkursen. So wächst Schritt für Schritt nicht nur die Erfahrung, sondern auch die Freude am Unterwegssein im freien Gelände.
Lawinengefahr kann man nicht messen. Es braucht Erfahrung.
Bergführende
Bei ihrer anspruchsvollen und verantwortungsvollen Arbeit sind Bergführerinnen und Bergführer froh, sich auf die Daten und Zahlen des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF verlassen zu können. Diese helfen ihnen, Touren sicher zu planen und ihre Gäste sicher an den Gipfel zu führen. So kehren am Ende alle mit einem Lachen im Gesicht nach Hause zurück.
Skitouren können für alle zugänglich sein. Grundsätzlich kann jede und jeder auf Skitour gehen, sofern eine gewisse Kondition vorhanden ist und die Ski- oder Snowboardtechnik sicher beherrscht wird. Auch mit Splitboards wird das Tourengehen zu einem besonderen Erlebnis. Eine Skitour ist jedoch nicht ganz so einfach wie ein Tag auf der Skipiste. Sie verlangt nach speziellem Material, Vorbereitung und Wissen. Wer sich abseits der Piste bewegt, übernimmt Verantwortung und muss Grundlegendes wissen. Denn erst diese Erfahrung ermöglicht es, die Freiheit im Schnee bewusst und sicher zu erleben.
Wenn man Erfahrung hat, macht es auch mehr Spass.
Freiheitsgefühl, das Vorbereitung braucht Erst wissen. Dann schweben.
Damit dieses unbeschreibliche Hochgefühl entsteht, braucht es mehr als nur Begeisterung: Es erfordert eine sorgfältige Planung. Abseits der Pisten eröffnet sich eine faszinierende Welt, die jedoch Aufmerksamkeit verlangt. Lawinen und andere Gefahren gehören dazu, lassen sich aber mit Wissen, Erfahrung und Achtsamkeit besser einschätzen. Folgendes ist zu beachten:
1. Notfallausrüstung
Zur Grundausrüstung gehören ein LVS-Gerät, das vor der Tour auf Senden gestellt und kontrolliert wird, sowie eine Lawinensonde und eine Schaufel. Diese Standard Notfallausrüstung bilden zusammen die unverzichtbare Sicherheitsausrüstung und ermöglichen im Notfall eine schnelle und effiziente Suche und Bergung.
Zusätzlich empfehlenswert ist ein Lawinen-Airbag, der die Überlebenschancen im Ernstfall deutlich erhöhen kann.
- LVS Lawinenverschüttetensuchgerät ist ein elektronisches Gerät, das hilft, verschüttete Personen unter Schnee zu orten, indem es deren Signal sendet und deren Signal empfängt.
- Sonde Eine Sonde ist ein langer, dünner Stab, den man in den Schnee steckt, um verschüttete Personen unter der Lawine genau zu lokalisieren.
- Schaufel Eine Lawinenschaufel ist ein kleines, stabiles Werkzeug, mit dem man Schnee wegschaufelt, um verschüttete Personen nach dem Auffinden mit LVS und Sonde zu befreien.
Weitere wichtige Ausrüstung
- Helm
- Aufstiegshilfen (Felle, Schneeschuhe, Harscheisen)
- Notfall-Apotheke
- Handy oder satellitengestütztes Notfallgerät
- Orientierungsmittel (Karte im Massstab 1:25‘000, GPS, Höhenmesser, Kompass)
- Sonnen- und Kälteschutz
2. Wissen
Ausbildung ist die wichtigste Grundlage, um Risiken bewusst zu reduzieren. Kurse helfen dabei, Lawinenrisiken richtig einzuschätzen, sich sicher im Gelände zu bewegen, Verschüttete zu finden und im Ernstfall Leben zu retten. Je öfter Lawinensituationen geübt werden, desto sicherer lässt sich im Ernstfall handeln. Dazu gehört auch das Wissen um den korrekten Einsatz von LVS, Sonde und Schaufel.
3. Tourenplanung
Eine gute Tourenplanung hilft, potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Sei es in Bezug auf Verhältnisse, Gelände oder den Menschen.
Wichtige Punkte der Tourenplanung:
- Sinnvolle Tour auswählen. Hier bietet das Lawinenbulletin, Tourenportale sowie Führerliteratur Unterstützung.
- Information über Verhältnisse, Gelände und Mensch einholen.
- Tour in detaillierteTopokarteeinzeichnen (am besten selber!).
- Schlüsselstellenerkennen und bezüglich Risiko beurteilen.
- Entscheidungspunktefestlegen und Alternativenplanen.
- Zeitaufwandberechnen, Fixzeitenbestimmen.
- Route nochmalsim Kopf durchgehen.
4. Gruppe
Skitouren sind ein Erlebnis, das man am besten in der Gemeinschaft teilt. Nie allein unterwegs zu sein, gibt Sicherheit und die Gewissheit, im Notfall schnell helfen zu können. An Schlüsselstellen und sehr steilen Hängen ist es jedoch besser, einzeln zu fahren – hier sind Konzentration und Vorsicht gefragt. Dabei sollte man auch die Dynamik der Gruppe im Blick behalten. Sie kann das Risikoverhalten beeinflussen. Eine Gruppe ist immer nur so stark und so schnell wie ihr schwächstes Mitglied. Genau dieses Bewusstsein macht das gemeinsame Abenteuer sicherer und wertvoller.
5. Kenntnisse des Gebietes
Das Gebiet zu kennen und das Gelände richtig einschätzen zu können, hilft dabei, Lawinengefahr früh zu erkennen, sichere Routen zu wählen und das Unfallrisiko zu verringern.
Typisches Lawinengelände
- Zwischen 35° und 45° steil
- Relativ gleichförmig
- Leicht muldenförmig
6. Wettercheck
Die Wetterbedingungen sind für ein sicheres und unvergessliches Skitourenerlebnis entscheidend. Daher lohnt es sich, vor der Tour die aktuelle Wetter- und Lawinensituation genau zu prüfen. In den Bergen kann sich das Geschehen schnell ändern – und genau hier zeigt sich, wie wichtig Aufmerksamkeit und Flexibilität sind. Während der Tour ist es wichtig, auf das Wetter, den Schnee, das Gelände, die eigene Verfassung und den Zeitplan zu achten. Wenn nötig, muss man auch Entscheidungen neu treffen. So bleibt das Abenteuer spannend und sicher.
7. Lawinensituation
Um Lawinenrisiken rechtzeitig einzuschätzen, ist es wichtig, typische Alarmzeichen und Beobachtungen zu berücksichtigen:
- Frische Schneebrettlawinen
- Wumm-Geräusche oder Risse beim Betreten der Schneedecke
- Einfache Beobachtungen, die auf einen Anstieg der Lawinengefahr hinweisen
- Neuschnee und Wind (kritische Neuschneemenge)
- Frischer Triebschnee
- Regen in trockene Schneedecke
- Markante Erwärmung des Schnees in den Bereich von 0° (v.a. nach Neuschnee)
Das Lawinenbulletin als Planungsgrundlage
Hinter diesen präzisen Einschätzungen stehen die engagierten Mitarbeitenden des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Mit viel Wissen und Leidenschaft sorgen sie dafür, dass wir stets genau über die aktuelle Lawinensituation informiert sind. Zu ihnen gehört auch die Expertin Dr. Christine Pielmeier, deren Arbeit Orientierung und Vertrauen in die Natur schenkt.
Ergänzend dazu bietet die SLF White Risk App alle Informationen kostenlos: Schneekarten, Schneeprofile und praktische Tools zur Tourenplanung sind ideal, um die Lawinensituation in der Planungsphase einzuschätzen und die nächste Skitour vorzubereiten.
Der Tag neigt sich dem Ende zu. Die Skitourengruppe ist wieder unten im Tal angekommen – müde, aber erfüllt und mit unvergesslichen Bildern im Kopf. Die First Lines liegen nun im Schatten, verwehen langsam und werden Teil des Berges. Auch im WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF ist die Arbeit getan. Für heute sind die Messungen abgeschlossen, die Daten ausgewertet, eingeordnet und weitergegeben. Wissen, das trägt. Wissen, auf das sich andere verlassen werden. Morgen beginnt alles von vorn. Neue Gruppen, neue Entscheidungen, neue Linien im Schnee. Und wieder geht jemand hinaus, misst, prüft und erfasst. Tag für Tag. Den ganzen Winter hindurch.