Von Zeit zu Zeit. Swiss Historic Hotels

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Einleitung

So spektakulär die Fahrt im «Bernina Express» ist: Es lohnt sich, in Poschiavo Halt zu machen und sich im historischen Hotel Albrici auf eine Reise ganz anderer Art einzulassen.

Wer im Hotel Albrici übernachtet, sollte den Wecker stellen, zum Beispiel auf Mitternacht. 

Und dann in die Stille hineinhorchen. So lange, bis man das Rattern der Postkutschen hört und die Hufe der Pferde auf der Pflastersteinstrasse, die ab 1865 über den Berninapass führte und wohlhabende Gäste aus dem Norden ins wilde, sonnenverwöhnte Puschlav brachte, ins erste Hotel von Poschiavo, das ebenso stolz wie mythenumrankt neben der Kirche thront und nie einen Zweifel aufkommen liess, wer, nach Gott, das Sagen hat im Dorf. 

Dann steigt man vielleicht aus dem Bett, zieht sich was über, klaubt ein wenig Mut zusammen und schleicht durch den schlafenden Palazzo. 

Weit mehr noch als am Tag atmet er nachts seine Geschichte; die Möbel und Gemälde, die Deckenmalereien und alten Böden machen bei dezenter Beleuchtung die Vergangenheit noch greifbarer. Eine Vergangenheit, die 1682 begann. Im selben Jahr, als in Frankreich Louis XIV. in Versailles einzog, liess sich in Poschiavo Bürgermeister Bernardo Massella ebenfalls einen repräsentativen Wohnsitz errichten. Und natürlich waren die prunkvollen Räume das grosse Thema bei allen, die sie zu Gesicht bekamen.

Der Aufenthalt im Hotel gleicht einem Besuch im Museum. Das Haus ist über 300 Jahre alt und das erzeugt bei den Gästen diesen Wow-Effekt.
Andrea Rera, Hoteldirektor

Die Aura des herrschaftlichen Patrizierhauses strahlte bald weit über die Landesgrenze hinaus.

Dies auch dank des Barons Thomas Maria De Bassus, einem Einheimischen, der dank seiner Heirat mit Cecilia Domenica Massella den Palazzo erbte. In Bayern, wo er studiert hatte, war er mit den Illuministen und deren Zielen in Verbindung gekommen, die Herrschaft von Menschen über Menschen dank Aufklärung abzuschaffen. Ihnen richtete er im Palazzo ein politisches und musisches Zentrum ein.

Baron Thomas Maria De Bassus liess gar tonnenschwere Maschinen über die Alpen tragen, um hier im Haus die erste italienische Übersetzung von Goethes «Werther» zu drucken.
Ende 1780

So wandelt man des nachts durch die Jahrhunderte und die Geschichte dieses Gebäudes.

Einem wahren Schmuckstück das 1828 von der Familie Albrici gekauft und zu einer Herberge umfunktioniert worden war. Wenn man schliesslich wieder unter die Decke schlüpft, ist man gleichwohl froh, bietet das Hotel in seiner historischen Hülle modernste Annehmlichkeiten.

Und dass man nicht mehr mit der Kutsche anreisen muss.

Heute ist die Anfahrt im «Bernina Express» ein Höhepunkt vor dem eigentlichen Ziel. Zerklüftete Bergketten und mediterranes Flair: Die Aussicht aus den Panoramawagen ist mindestens so spektakulär wie die Zeitreise, die jene vor sich haben, die in Poschiavo im Hotel Albrici absteigen.


  • 196 Brücken
  • 55 Tunnels
  • 70 Promille

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