Von Nord nach Süd.

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Einleitung

Römer, Ritter und Reisende des Mittelalters haben sich an der Querung der Alpen die Zähne ausgebissen. Technikpioniere überwanden die Barriere von Nord nach Süd später via Gotthardtunnel. Für Alpinisten ist das Bergmassiv vor allem eines: ein riesiger Spielplatz. Diesen erkunden wir auf einer Überschreitung von Andermatt bis Locarno.

Tag 1

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Von Andermatt zur Rotondohütte: Rund um den Gotthard

Gemsstock, 2961 m ü. M.: Gipfel, Couloirs und Tiefschneehänge soweit das Auge reicht. Das Ziel, die Piazza Locarno, ist weit weg. Daniel Arnold treibt uns vorwärts. Der Urner Alpinist und Bergführer wird uns von Nord nach Süd durch das Herz der Alpen führen.

Wir können irgendwo den Berg raufkraxeln, finden eine SAC-Hütte, gutes Essen und ein warmes Bett.
Dani Arnold

Die ersten Schwünge holen uns in die Gegenwart und geben uns Schub für den Aufstieg zum Gloggentürmli. 1800 Meter unter unseren Füssen verläuft der Gotthardtunnel. Darin passieren Autos und Züge den Alpenriegel in wenigen Minuten. Eine surreale Vorstellung – hier oben in der tief verschneiten Bergwelt surreal. Real dagegen sind unsere Linien im Schnee, runter zum Gotthardpass. Auf der Passstrasse liegt meterweise Schnee. 

Den Pizzo Lucendro vor Augen mobilisieren wir die letzten Reserven für den nächsten Aufstieg. Erneut stürzen wir uns in die Tiefe, der Schnee stiebt im späten Nachmittagslicht. Schon lange hat das Bier nicht mehr so fein geschmeckt wie an diesem Abend auf der Terrasse der Rotondohütte. 

In seinem Buch «Warum das alles?» beschreibt Dani Arnold, was ihn antreibt.

Der Mann vom Berg

Zacken aus Eis und Felswände sind sein Leben: Dani Arnold (35) ist diplomierter Bergführer – vor allem aber Alpinist und Rekordhalter auf schwierigen Kletterrouten weltweit. Aufgewachsen im Urner Bergdorf Biel auf 1720 m ü. M. wurde ihm der Alpinismus quasi in die Wiege gelegt.

Tag 2

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Rotondo-Hütte bis Cristallina-Hütte: Ab in den sonnigen Süden

Als wir in der Morgendämmerung vor die Hütte treten, nimmt zunächst ein eindrückliches Wetterspektakel unsere Aufmerksamkeit in Beschlag. Wir stehen genau auf der meteorologischen Wettergrenze. Von Norden drängen Wolken das Tal rauf und umspielen die Gipfel, um vom Schönwetter-Einfluss im Süden gleich wieder verblasen zu werden. Also ab in den Süden. 

Hier am Alpenhauptkamm kann das Wetter auf wenigen Metern komplett ändern.
Daniel Arnold

Zügig gelangen wir zum Rotondopass, der gleichnamige Piz lockt, wir lassen ihn heute aber aus. Perfekte Sulzverhältnisse bescheren uns den morgendlichen Temporausch hinunter ins Bedrettotal. Den letzten Schwung setzen wir direkt vor dem Ristorante All’Aqua, wo Tessinerplatte und Suppe schon auf uns warten. Diese Stärkung brauchen wir: Unser nächstes Bett ist ein vierstündiger Aufstieg entfernt.

Auf der Cristallinahütte sind wir definitiv auf Alpensüdseite – auch in kultureller Hinsicht. Hüttenwart Emanuele tischt zum Abendessen einen Tessiner Merlot auf. Es herrscht muntere Geselligkeit. Ohne einen Grappa mit ihm getrunken zu haben, lässt er uns nicht ins Bett. 

Vom tiefsten Winter fährst du runter ins Tal und dort ist fast Badehosewetter – schon einmalig.
Dani Arnold

Tag 3

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Cristallinahütte nach San Carlo: Plötzlich im Frühling

Tags darauf nehmen wir die letzte Etappe unter die Latten. Bei Sonnenaufgang sitzen wir bereits auf dem Cima di Lago – umrahmt von prominenten Walliser Gipfeln, markanten Zentralschweizer und zahlreichen Bündner Spitzen. Im Süden verlieren sich die Täler in der Weite der Poebene. Der imposante Basòdinogletscher ist stummer Zeuge unserer letzten Kurven Richtung Süden.

Gedanklich noch immer in den tief verschneiten Bergen stellen wir bald die Skischuhe auf die Frühlingswiesen des Bavonatals. Als wir in Locarno aus dem Postauto steigen, ist Andermatt sehr weit weg. Unsere Blicke schweifen über den Lago Maggiore. Auf den Berggipfeln leuchtet der Schnee.

  • 38,4 Leistungskilometer sind insgesamt zu bewältigen.
  • 3789 Höhenmeter Aufstieg müssen die Beine leisten.
  • 4833 Höhenmeter Abfahrt als Lohn für die Anstrengungen.